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DETAILBERICHT MATCHBERICHT (ARCHIV)


Cup, 1. Hauptrunde: FC Schötz - FC Basel 0:1 (0:0)
Auch der FC Schötz ein Sieger

Schötz roch gegen Meister und Cupsieger Basel an einer Sensation. Ein spätes Gegentor von Mustafi sowie viel Abschlusspech in den letzten Minuten führten schliesslich zur 0:1-Niederlage. Trotzdem wird das Fussballfest am Samstag vor 4150 Zuschauern als ganz grosser Tag in die 81-jährige Klubgeschichte eingehen.

at. Eine zu einem schmucken Kleinstadion ausgebaute Wissenhusen-Anlage, herrliches Wetter, eine stimmungsvolle und vor allem friedliche Kulisse mit über 4000 Zuschauern, ein attraktives Spiel sowie eine grossartig auftretende Schötzer Mannschaft – beim Spiel des Jahres für den FC Schötz stimmte am Samstag alles. Oder fast alles, um präziser zu sein. Denn nur das Resultat, dieses 0:1, das noch lange nach Spielschluss auf der Anzeigetafel leuchtete, war am Ende nicht ganz nach Wunsch ausgefallen. Doch der Frust über das knappe Ausscheiden gegen den «grossen FC Basel» wich nach dem Spiel schnell einmal der Freude und der Genugtuung, dass sich der FC Schötz bei seinem Auftritt im nationalen Fussballrampenlicht auf wie neben dem Platz ausgezeichnet aus der Affäre gezogen hatte.

«Ein Dorf leistet Widerstand» - dazu hatte ein Gruppe Schötzer Fans in einer gelungenen Choreografie vor dem Spiel aufgerufen. Und die Mannschaft kam dieser Forderung in den folgenden 90 Minuten so entschlossen nach, dass der Meister, Cupsieger und Champions-League-Teilnehmer aus Basel alles andere als einen gemütlichen Abend auf Wissenhusen erlebte. Die Schötzer präsentierten sich vom Anpfiff weg sehr konzentriert und auch ausgezeichnet organisiert, so dass das gefürchtete FCB-Startfurioso praktisch gänzlich ausblieb. Zwar hatte der Gast aus der Super League mehr Spielanteile, doch so richtig gefährlich wurde es vor dem Schötzer Tor vor der Pause eigentlich nur einmal, als Eduardo den Ball nach einem schönen Doppelpass mit Rückkehrer Streller ganz knapp am Pfosten vorbei schob. Der Erstligist wirkte dabei nie destruktiv und versuchte auch nach vorne Akzente zu setzten. Bei der besten Schötzer Chance in den ersten 45 Minuten stand Osaj allerdings im Abseits.

Weil die Schötzer auch nach dem Seitenwechsel einen enormen physischen Aufwand betrieben, hielten sie die Basler weiterhin gut in Schach. Und als die Basler trotzdem zweimal in aussichtsreicher Position zum Abschluss kamen, reagierte Martin Schwegler bei Kopfbällen aus kurzer Distanz jeweils grossartig. Zunächst mit einer schönen Fussabwehr gegen Mustafi (65.), dann mit einer spektakulären Parade gegen Gjasula (68.). Bei den Baslern fehlten zwar Leistungsträger wie Costanzo, Ergic, Chipperfield, Derdiyok, Stocker oder Huggel. Trotzdem war erstaunlich, dass von zwei Ligen Unterschied praktisch kaum etwas zu sehen war. Nur noch einmal liessen die Basler danach ihre Klasse aufblitzen. Doch das reichte bereits zur Entscheidung: Rubio flankte auf Streller, dessen Kopfballverlängerung Mustafi in der 79. Minute zum erlösenden 1:0 für den FCB über die Linie drückte.

Die Schötzer bewiesen auch nach diesem bitteren Gegentor grosse Moral. Und sie brachten den FCB mit ihrer Schlussoffensive gar noch einmal gehörig ins Schwitzen. Zunächst parierte Stöckli einen Schlenzer von Koch mit einer starken Parade. Und dann hatte der eingewechselte Martin Fischer in der 93. und 94. Minute gleich zweimal in ausgezeichneter Position den Ausgleich auf dem Fuss, liess die nötige Kaltblütigkeit aber vermissen. Vor allem bei seiner letzten Chance hatten die Schötzer Anhänger schon zum Torschrei angesetzt, als Fischer den Ball freistehend aus 15 Metern nicht wunschgemäss traf und das Tor verfehlte. Statt der möglichen Verlängerung folgte kurz darauf der Schlusspfiff, womit die Basler doch noch mit einem blauen Auge davon gekommen waren.

«Schade, einfach schade», kommentierte Willy Neuenschwander die verpasste Möglichkeit, für eine grosse Cup-Überraschung zu sorgen. «Wer an einer Sensation schnuppern will, muss eine dieser Chancen einfach verwerten. Basel wäre heute zu packen gewesen. Es hat zwar vieles gestimmt bei uns, doch zum grossen Coup muss eben alles stimmen, dann muss so ein Ball am Schluss eben ins Tor. Trotzdem verdient die Mannschaft ein ganz grosses Kompliment. Sie hat Basel wirklich gefordert», erklärte der FCS-Trainer. 

In der Tat lieferte die Defensive vor dem sehr guten Schwegler mit dem starken Bollwerk Felber und Curic im Zentrum sowie den aufsässigen Berisha und Fernandez auf den Aussenpositionen eine ausgezeichnete Leistung ab. Vor der Abwehr gewannen Nikaj und André Grüter viele wichtige Zweikämpfe, während in der Offensive Koch, Lars Grüter, Michael Bättig und Osaj mit einem enormen Laufpensum dafür sorgten, dass die Basler kaum einmal in Ruhe aufbauen konnten. Die Schötzer präsentierten sich so als sehr zäher und kompakter Gegner, an dem sich der Meister und Cupsieger beinahe die Zähne ausbiss. Doch letztlich lag der Unterschied wieder einmal in der Effizienz. Der FCB nutzte eine seiner wenigen klaren Chancen, die Schötzer eben nicht.

Zum vierten Mal ist es dem FC Schötz damit unter Willy Neuenschwander nicht gelungen, einen NLA- oder Super-League-Klub aus dem Cup zu werfen. Dies vor allem deshalb, weil den Schötzern – das Penaltyschiessen gegen St. Gallen ausgenommen – in diesen vier Anläufen noch kein einziger Treffer gelungen ist. Bemerkenswert ist dagegen die Defensivbilanz bei den Cup-Aufttritten: Gegen St. Gallen, Lausanne, den FC Zürich und den FC Basel kassiert der FC Schötz in total 390 Minuten nur gerade fünf Gegentore. Und gerade deshalb sind die Schötzer von einem Team aus der höchsten Liga noch nie vorgeführt worden, sondern boten den Gegnern jeweils ernsthaft Paroli. Sportlich gesehen ist die Leistung am Samstag gegen Basel insgesamt sogar wertvoller als das legendäre Spiel 1996 gegen den FC St. Gallen.


Stimmen zum Spiel

Christian Gross (FCB-Trainer): «Kompliment! Schötz war defensiv sehr gut organisiert war und hat uns das Leben sehr schwer gemacht. Ich bin überzeugt, dass die Schötzer in der Meisterschaft noch eine starke Rolle spielen werden. Wenn es nicht gelingt, ein frühes Tor vorzulegen, kann es gegen einen Unterklassigen eben immer schwierig werden. Zudem haben wir sicher noch das Champions-League-Spiel am Dienstag gegen Donezk gespürt. Solche Partien kosten vor allem auch mental viel Kraft, das hat man heute gegen Schötz gesehen. Trotzdem glaube ich, dass unser Weiterkommen letzlich doch verdient ist.»

Marco Streller  (FCB-Stürmer): «Wir wollten in den ersten 10 Minuten einen Treffer vorlegen, um Ruhe zu haben. Das ist uns nicht gelungen, und deshalb haben wir danach Probleme bekommen, weil Schötz defensiv sehr stark war. Doch Schötz hat im Cup schon anderen Teams das Leben schwer gemacht. Wir wussten, dass es hier nicht einfach werden könnte. Ich hätte selber gerne mehr gezeigt, bin aber vor allem froh, dass ich bei meinem Comeback 90 Minuten durchspielen konnte und keine Probleme hatte.»

Martin Schwegler (FCS-Goalie): «Gleich nach dem Spiel überwog der Frust, dieses Spiel auf diese Art und Weise verloren zu haben. Doch allmählich bin ich auch stolz darauf, was wir geleistet haben. Schade ist trotzdem, dass wir diese grosse Chance nicht genutzt haben. So eine Gelegenheit, den FC Basel im Cup auszuschalten, gibt es nicht sicher jeden Tag. Ob das Tor gar allenfalls aus einer Abseitsposition fiel, kann ich nicht sagen. Ich wäre auch bei diesem Schuss von Mustafi noch fast dran gewesen. Insgesamt bin ich aber vor allem glücklich darüber, dass wir allen Leuten, die dieses Fussballfest so toll vorbereitet haben, mit einer starken Leistung eine Freude machen konnten.»

Schötz - Basel 0:1 (0:0). Wissenhusen. - 4150 Zuschauer (Platzrekord). - SR Wermelinger. - Tor: 79. Mustafi 0:1. - Schötz: Schwegler; Berisha, Felber, Curic, Fernandez; André Grüter (85. Vifian), Nikaj; Michael Bättig (63. Fischer), Lars Grüter, Koch; Osaj (81. Karajcic). - Basel: Stöckli; Zanni, Abraham, Ferati (46. Morganella), Safari; Gelabert; Mustafi, Frei (59. Gjasula), Eduardo, Rubio; Streller. - Bemerkungen: Schötz ohne Zukic und Dias (beide verletzt). Basel ohne Ergic, Derdiyok, Marque, Unal (alle verletzt), Costanzo, Huggel, Chipperfield, Stocker und Carlitos (alle geschont). Verwarnung: 80. Lars Grüter (Foul).